Diskussion über Infrastruktur

Über die Entwicklung der Infrastruktur in den vergangenen 100 Jahren diskutiert

Alljährlich kommen die Güritzer und Krohner Anfang des Jahres zusammen, um sich mit der Geschichte ihres Dorfes auseinander zu setzen. Die Angereisten hörten kürzlich mit Spannung über die Entwicklung des Straßenwesens, das bis heute wohl das meist diskutierte Thema ist. Früher waren es die Sand- bzw. Matschwege, die für Ärger sorgten. Heute sind es die zahlreichen, halsbrecherischen Löcher.  Der Ausbau der Waldstraße erfolgte Ende der sechziger Jahre. Der Unterbau mit Schotter, darauf etwas Splitt, dann die Bitumdecke. Nicht ausgerichtet für die schwere Technik, die durch Landwirtschaft, Schleusen- und Brückenbau sowie der Dammerhöhung am Eldekanal intensiv genutzt wurden.

Vor dem Krieg, selbst jahrelang danach, kam zweimal wöchentlich Kaufmann Ockerblom aus Grabow mit seinem Lieferwagen. Die Frauen brauchten Güritz kaum  verlassen. Sie gaben bei Ockerblohm ihre Bestellung auf und nächste Woche brachte er die Waren mit. Auch die Bauchläden, die aus ihren Koffern Garn, Wolle, Knöpfe, Strümpfe, allerlei Kurzwaren zum Kauf anboten, fanden den Weg nach Güritz. Ganz regelmäßig bot alle paar Wochen  der Händler seine Waren feil. Wohlgesonnene Leute luden ihn zum Mittag oder Kaffee ein. Nach dem Krieg brachte jeweils ein Bauer mit Pferd und Wagen für alle Milchproduzenten die Milch zur Molkerei nach Karstädt. Schräg gegenüber gab es den Bäcker und den Lebensmittelverkäufer Westphal. Die einzelnen Bauern legten neben ihrer Milchkanne einen Beutel mit dem Portmonee und einem „Wunschzettel”. Der jeweilige Milchkutscher gab nur die Tasche im Laden ab und holte sie nachdem er seine Aufgabe in der Molkerei erledigt hatte, gefüllt wieder heraus. Die Butter erhielten die Milchlieferanten selbstverständlich von der Molkerei. Deren Kosten wurden mit der Milchlieferung verrechnet.

So wurden die Milchfahrer auch zu Mittelsmännern für den nötigen Einkauf. Durch den Zuzug von Industriekadern (Aktion: Industriearbeiter aufs Land), kam die Idee einen eigenen Konsum im Dorf zu eröffnen. Schon im Frühjahr 1956 wurde von Martha Schaumann die erste Verkaufsstelle im Eulenkrug eingerichtet. Der Konsum zog noch mehrfach um, ehe er kurz nach der Wende geschlossen wurde.

Eine wesentliche Aufwertung erhielt das Dorf durch die Einrichtung eines Kindergartens (01.05.1957 bis 30.09.1976), Verkaufsstelle und der Post (01.03.1960 – Wende).

Die Schule im Jahr 1826 erbaut, schloss im Sommer 1964. Die letzten Jahre besuchten diese nur noch die Schüler der ersten bis vierten Klasse. Lehrer war Walter Noack. Die jüngeren Schüler gingen danach in Neu-Karstädt und die älteren in Alt-Karstädt zu Schule. Eine enorme Umstellung für sie, da sie es gewohnt waren, in kleinen Gruppen zu lernen.

Ende der neunziger Jahre wagten mehrere junge Leute den Schritt in die Selbständigkeit, sicherten sich selbst und ihren Mitarbeitern eine Existenz und trugen so dazu bei, dass sie die heimatlichen Wände erhalten und dem kleinen idyllischen Dorf hoffentlich eine klitzekleine Chance geben. Elke Ferner