Stadt und Kirchgemeinde erinnern gemeinsam an 25 Jahre Mauerfall

Grabow. Es waren wohl die bedeutsamsten Worte in der deutschen Nachkriegsgeschichte, als Günter Schabowski am 9. November 1989 auf einer live übertragenen Pressekonferenz die neue Reiseregelung der DDR bekannt gibt und auf die Nachfrage eines Journalisten, wann die Regelung in Kraft treten soll, antwortet: "Ab sofort, unverzüglich!" Mit diesen Worten waren die Mauern zwischen den beiden deutschen Staaten gefallen, für viele Menschen ein jahrelang gehegter Wunsch nach Freiheit erfüllt. Was am 9. November 1989 passierte, wird wohl unvergessen in den Köpfen derer bleiben, die damals in den Wochen und Monaten zuvor den Mut hatten auf die Straßen zu gehen und friedlich eine Revolution herbeiführten, die zugleich das Ende der DDR einläutete. Viele erinnern sich noch heute daran, welche Rolle in dieser Zeit die Kirche spielte, die ihre Häuser öffnete und den Menschen, die laut ihre Meinung und ihrem Wunsch nach Veränderungen Ausdruck verliehen, eine Zuflucht gab. Wer erinnert sich nicht an die zahlreichen Montagsdemonstrationen und an das Friedensgebet in hunderten Kirchen unseres Landes, als dann am 9. November 1989 die Grenzen geöffnet wurden. So auch in Grabow, wo so viele Menschen den Weg in die Kirche suchten, dass viele von ihnen keinen Platz mehr bekamen.

An all diese Ereignisse erinnerten am 9. November 2014 die evangelische Kirchgemeinde und die Stadt Grabow bei einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung zu 25 Jahre Friedensgebt und Mauerfall. Pastor Matthias Wanckel begrüßte die zahlreichen Besucher an diesem Sonntagvormittag, darunter viele Stadtvertreter, Stadtvertretervorsteher Dirk Dobbertin, Bürgermeister Stefan Sternberg und viele, viele Zeitzeugen von einst. Während des Gedenkgottesdienst ließ Pastor Wanckel die Ereignisse des Jahres 1989 in Grabow in Daten und Bildern noch einmal Revue passieren. Man merkte in den Reaktionen Vieler, wie emotional die Erinnerungen auch heute, nach 25 Jahren, noch sind. Begleitet von den Bläsern und dem Chor der Kirchengemeinde sprachen Ricarda Wenzel, Simone Koltzau  und Doreen Wohlfart das Fürbittgebet und entzündeten Kerzen in Erinnerung an damals und als Fürbitte für die Zukunft.

    

 

 

 

 

 

Zum Abschluss des Gottesdienstes lud Pastor Wanckel zu einer kleinen Erinnerung an 25 Jahre Mauerfall ein. Als erster Redner dazu brachte Torsten Westphal, ehemaliger Sprecher des Neuen Forum, seine ganz persönlichen Erinnerungen an die Zeit des Umbruchs in der DDR zum Ausdruck. Dabei wurde immer wieder deutlich, welche bedeutende Rolle die Kirche damals spielte. Auch Hanne-Lore Wendt, die von ihren ganz eigenen Erinnerungen an die DDR-Zeit und die Wende berichtete, bedankte sich in ihrer Rede bei den Menschen, die damals den Mut aufbrachten und in den zahlreichen friedlichen Demonstrationen offen bekundeten: "Wir sind das Volk". Und auch Stadtvertretervorsteher Dirk Dobbertin hob in seinen Worten immer wieder das Engagement der Kirche in dieser Zeit hervor. Er dankte aber auch all denen, die nach der Wende tatkräftig mit anpackten und Grabow in den vergangenen 25 Jahren zu einem wahren mecklenburgischen Kleinod machten. Der abschließende Blick in die Zukunft oblag Bürgermeister Stefan Sternberg, der die Zeit der Wende als damals fünfjähriger größtenteils nur durch Erzählungen kennt, und dankbar dafür ist, dass er die vergangenen 25 Jahre in Freiheit und Demokratie erleben und die Entwicklung Grabows politisch mitbestimmen durfte. Die Ereignisse vom Oktober und November 1989 haben gezeigt, dass eine starke Gemeinschaft auch unüberwindbar geglaubte Mauern friedlich bezwingen kann. Sternberg wünscht sich diese  starke Gemeinschaft auch für die Zukunft von Grabow. Diana Ottoberg